Kontaktzonen

Kulturelle Praktiken im deutsch-tschechisch-polnischen Grenzraum

 
Bearbeitung: Ira Spieker, Katharina Schuchardt

Die historischen Entwicklungen im deutsch-tschechisch-polnischen Grenzraum sind im 20. und 21. Jahrhundert von Zäsuren bestimmt, die sich in die Region und die Landschaft, aber auch in die Biografien von Akteurinnen und Akteuren eingeschrieben haben. Allein während einer einzigen Lebensspanne waren erhebliche Anpassungsleistungen erforderlich; die Rahmungen und Begrenzungen änderten sich sowohl in räumlicher als auch in politisch-ideologischer Hinsicht. Erinnerungskulturelle Konzepte konkurrieren bis heute, überlagern und beeinflussen sich.

Das Forschungsprojekt „Kontaktzonen. Kulturelle Praktiken im deutsch-tschechisch-polnischen Grenzraum“ unternimmt eine qualitative Analyse transnationaler Kontakte und fragt danach, wie Geschichte konstituiert und wie Gegenwart verhandelt wird, welche wechselseitigen Einflüsse und Formen von Annäherung, Austausch und Abgrenzung im Grenzraum vorliegen. Dazu wurden institutionalisierte wie auch informelle Initiativen in den Bereichen Kultur, Sport und gesellschaftspolitisches Engagement sowie lokale Vernetzungen zwischen Städten und Gemeinden untersucht.

Mit den Trägerinnen und Trägern von grenzüberschreitenden Aktivitäten wurden Interviews durchgeführt, um Motive, Handlungsspielräume und Ansätze ihres Engagements transparent zu machen. Die Begleitung von grenzüberschreitenden Initiativen und Aktivitäten war und ist weiterhin in Form von Teilnehmender Beobachtung vorgesehen; die Rezeption bzw. Konsumtion der jeweiligen Angebote wurde im Rahmen einer Fragebogenerhebung erfasst. Das erhobene Material ist für weiterführende Studien im Onlineportal „Lebensgeschichtliches Archiv für Sachsen“ zugänglich. Im Rahmen des Projekts fand eine interdisziplinäre und internationale Tagung statt, deren Ergebnisse der Sammelband „Kontaktzonen und Grenzregionen“ präsentiert. Weiterhin entstand eine dreisprachige Website, die über Initiativen im deutsch-tschechisch-polnischen Grenzraum informiert und als Vernetzungsplattform dienen soll.

Aktuell wird – in Kooperation mit dem Kulturzentrum Veřejný sál Hraničář (Ústí nad Labem) und GOGLMOGL produktion – aus dem Interviewmaterial die Performance ZÓNA KONTAKTU/KONTAKTZONE entwickelt.

Das Projekt läuft seit September 2015. Von 9/2015 bis 8/2017 wurde das Vorhaben von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie dem Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst gefördert und in dieser Zeit zusätzlich von Uta Bretschneider, Sarah Kleinmann sowie Arnika Peselmann bearbeitet.