Das Ländliche im Bild. Fotografische Erfassung ruraler Umwelten

Projektbearbeitung: Marsina Noll

Die Enteignung der großen landwirtschaftlichen Betriebe nach 1945 und die 1952 durchgeführte Zwangskollektivierung der Landwirtschaft hatten tiefgreifende Folgen für die ländliche Gesellschaft Ostdeutschlands. Nicht nur wurden die bestehenden Sozial- und Besitzverhältnisse aufgelöst, auch die gebaute Umgebung und die Ausprägungen der Kulturlandschaft veränderten sich stark. Diese Entwicklungen boten den Anlass für das vom Deutschen Kulturbund und der Deutschen Akademie der Wissenschaft angestoßene Erfassungsprojekt „Alte Bauten im neuen Dorf“. In diesem Vorhaben wurde zwischen 1962 und 1970 mithilfe von Fragebögen und Fotografien der bauliche Zustand der Dörfer dokumentiert.

Das Projekt untersucht die durch eigens geschulte (lokale) Akteurinnen und Akteure erhobenen Daten und fragt nach ihrem Stellenwert für die bildliche Adaption von Ländlichkeit und deren Perzeption als Handlungsraum in der DDR. Im Mittelpunkt steht dabei die Bemessung der Aussagekraft von Fotografien als zeit- und sozialhistorische Quelle in Bezug auf die Wahrnehmung von Ländlichkeit. Die Aufnahmen der „Alte Bauten“-Studie sind in dieser Hinsicht besonders geeignet, da sie auf den Zustand der Dörfer unmittelbar nach Abschluss der Kollektivierung ausgerichtet waren, als die Transformation zur industriellen Landwirtschaft ihren Anfang nahm. Kombiniert mit Archivüberlieferung und Primärliteratur geben diese Materialien Aufschluss über die Perspektiven der Autoren und Autorinnen auf „das“ Dorf sowie auf die Parameter und Vorgaben, die auf die Motive und Blickwinkel der Bilder einwirkten.