Von der Natur gerahmt. Die Idee der „natürlichen Grenzen“ als Identitätsressource um 1800

Projektleitung: Winfried Müller
Projektbearbeitung: Henrik Schwanitz

Die um 1800 vor dem Hintergrund der Revolutions- und Koalitionskriege erfolgte Transformation der politisch-territorialen Ordnung in Europa bewirkte auch in Sachsen eine Auseinandersetzung mit Alternativkonzepten zur Organisation des politischen Raumes. Durch den Rückgriff auf sog. natürliche Grenzen – wie Berge und Flüsse – konnten dabei nicht nur Pläne zur Neuordnung der politischen Einteilung entworfen, sondern auch Identität gestiftet werden. So argumentierten im deutschsprachigen Gebiet zum einen nationale Akteure mit einem von der Natur vorgegebenen Raum, um den eigenen Entwurf einer deutschen Nation zu legitimieren. Zum anderen spielte der Verweis auf Natur und Geografie in den Rheinbundstaaten wie Sachsen eine wichtige Rolle, war man doch hier bestrebt, die innere Landeseinteilung zu reformieren. So gab es in Sachsen gerade im Umfeld des Sächsischen Landtages von 1811 eine breite Debatte zur Vereinheitlichung der einzelnen Landesteile nach dem Vorbild der französischen Departements und unter Berücksichtigung einer vermeintlich naturgemäßen Ordnung. Dabei zielte auch hier der Rekurs auf die Natur und natürliche Grenzen auf Identitätsstiftung ab.

Die Dissertation fokussiert auf die Frage, inwiefern die Natur in dieser Umbruchszeit als Instanz für eine angestrebte Neuordnung des politischen Raumes genutzt wurde und inwieweit es gelang, über den Bezug auf Natur und Geografie sowie den von diesen angezeigten natürlichen Grenzen Identitäten zu evozieren und Nationsentwürfe zu legitimieren.