Geschichtsschreibung vor Ort: Chroniken aus Sachsen vom 15. bis zum 17. Jahrhundert

Projektleitung und Bearbeiter: Joachim Schneider

Das Projekt widmet sich epochenübergreifend der mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Chronistik aus Sachsen vom 15. Jahrhundert bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges. Bisher hat man sich hier meist auf die mit den wettinischen Landesfürsten verbundenen Werke konzentriert. Im Gegensatz dazu nimmt sich das Forschungsprojekt die dezentral, vor allem in den sächsischen Städten entstandenen Chroniken vor. Ziel ist es, einen umfassenden Überblick der meist nur handschriftlich vorliegenden Texte zu gewinnen. Dazu werden Entstehungszusammenhänge recherchiert sowie inhaltliche Profile der einzelnen Werke erstellt. In einem zweiten Schritt sollen Fragen bearbeitet werden wie: Woher stammte das Material der Chronistik und welche Rolle spielte auch hier noch die wettinisch inspirierte Geschichtsschreibung des Hofes? Welche identitätsstiftenden Themen sind erkennbar wie Stadtgründung und Herkunftsgeschichten, welche europäischen und regionalen Ereignisse der Epoche, lokale Krisen oder Katastrophen werden überliefert, ist die Überlieferung konstant oder verändert sie sich? Auch die Wahrnehmung von Wandlungsprozessen des 15. und 16. Jahrhunderts durch die Chronistik wie die Reformation, Bevölkerungs- und Städtewachstum, die Erschließung des Erzgebirges und anderes mehr sollen untersucht werden. Letztlich geht es darum, herauszufinden, wie man in Sachsen damit begann, die eigene Geschichte und Gegenwart beschreibend und analysierend gewissermaßen in die eigenen Hände zu nehmen.