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Versprechen als kulturelle Konfigurationen in politischen Kontexten. Zur Konturierung eines Konzepts

Kontakt
Dr. Cornelia Eisler (BKGE)
Dr. Katharina Schuchardt (ISGV)

Telefon
+49 351 43616 42

Email
katharina.schuchardt@mailbox.tu-dresden.de

 

Ort
Dresden

 

Datum
04.-06. Mai 2022

Veranstalter
Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (ISGV) in Kooperation mit dem Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE) Oldenburg


Programm und Anmeldung ab Frühjahr 2022


Soziale Praktiken, Diskurse und Deutungen der Gegenwart werden unmittelbar von Versprechen geprägt. Sie durchdringen zahlreiche Bereiche des Alltags, beeinflussen zwischenmenschliche Interaktion und sind an Erwartungen, Hoffnungen und Imaginationen gebunden.
Wie Versprechen wahrgenommen, rezipiert und antizipiert werden, bestimmt in nicht unerheblichem Maße Entscheidungen, die unter den Bedingungen der Gegenwart für die Zukunft getroffen werden. Auf diese Weise verbunden, schaffen sie berechenbare und gestaltbare, zeitliche Horizonte; selbst wenn sie womöglich nicht gehalten werden. Retrospektiv ermöglicht die genauere Betrachtung von Versprechen Einblicke in die jeweiligen zeitgenössischen Kontexte von Gesellschaften, da durch sie erkennbar wird, welche Vorannahmen oder auch Enttäuschungen damit verknüpft waren.

Als eine kulturelle Ordnungsdimension in Gesellschaften verstanden, setzen Versprechen zum einen spezifische Erwartungshaltungen voraus, sollen Verlässlichkeit, Sicherheit und Stabilität im Miteinander vermitteln, verfügen zum anderen aber auch über aktivistisches Potential. Der Einfluss von Versprechen im Kontext staatlichen und politischen Handelns auf Leben und Alltag der Menschen spielt eine bedeutende gesellschaftliche Rolle. Zentrale Voraussetzung ist hierbei das Vertrauen in ihre Umsetzung und die damit verbundene Aussicht auf bessere Zeiten.
Dies artikuliert sich beispielsweise konkret in (kultur)politischen Forschungsfeldern wie Protestbewegungen, Klimapolitik oder im Bereich der Migration. Auch Institutionen basieren auf Versprechen, die ihre Gründung und dauerhafte Fortführung legitimieren. Im kultur- und wissenschaftspolitischen Bereich können beispielsweise Forschungsstellen, Museen und Gedenkstätten angeführt werden, die mit Vorstellungen von der Verbesserung gesellschaftlicher Verhältnisse und damit Zukunftsversprechen der Initiator*innen verknüpft werden.

In unterschiedlichen Fachdisziplinen stellen Versprechungen und Verheißungen zentrale Untersuchungsgegenstände dar, vorrangig in religiösen wie profanen Zusammenhängen auf der Ebene der Sprechakt-Theorie (Wonneberger/Hecht 1986) oder als Konzepte, denen sich die Autor*innen überwiegend aus der Perspektive der Rechtsphilosophie (Schneider 2005) beziehungsweise im Kontext der Geschichte von Werten (Zeller 2019) nähern. In der Volkskunde/Europäischen Ethnologie/Kulturanthropologie/Empirische Kulturwissenschaft waren und sind Versprechen nur vereinzelt Gegenstand von Diskussionen. Im Zusammenhang mit der Vergegenwärtigung von Zukunft, etwa in der Stadtforschung, wird diskutiert, wie Versprechen als Performanz zu deuten sind und welche Wirkungen sie als soziale Praktiken entfalten können (Färber 2021).
Als eigenständiges Konzept jedoch wurden sie bisher kaum explizit thematisiert. Von einer theoretischen Auseinandersetzung mit dem Begriff, der als ein zentrales Element gesellschaftlichen Zusammenlebens verstanden werden kann, und mit seiner praxeologischen Verwendung in politischen Kontexten erhoffen wir uns neue Erkenntnisse. Im Rahmen der Tagung möchten wir daher die vielversprechenden kulturellen Konfigurationen aus einer kulturanalytischen Perspektive in den Blick nehmen und das Potential sowie die Herausforderungen in diesem Zusammenhang diskutieren. Im Zentrum wird der produktive Austausch über Versprechen als Konzept, Analysekategorie und epistemologische Dimension stehen, wobei unterschiedliche Forschungspositionen und Konzeptionen insbesondere an den Schnittstellen von Politik und Alltag erwünscht sind.

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