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Fundstück aus dem LGA – im März 2019

Drei Bilder zur Schifferfastnacht in Rathen

Seit Aschermittwoch ist die fünfte Jahreszeit vorbei, auch im protestantischen Sachsen ist wieder Ruhe und Ordnung eingekehrt. Zwar gehört der Osten Deutschlands nicht zu den Hochburgen von Fastnacht, Karneval oder Fasching, an verschiedenen Orten haben sich aber auch hier ganz eigene Traditionen entwickelt.

Die unterschiedlichen Arten das historische Fest zu feiern, werden in Deutschland bereits sprachlich deutlich. Während Fastnacht und Fasching – beide Begriffe lassen sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen – vor allem im oberdeutschen Sprachraum, also etwa südlich der Speyerer Linie beheimatet sind, lässt sich der Karneval traditionell im Rheinland verorten, wobei die Übergänge fließend sind. Im Mitteldeutschen Dialektraum, dem auch das Obersächsische angehört, sind Fasching und Fastnacht in Gebrauch.

Große Umzüge mit aufwändigen Wagen und Verkleidungen sind ein vergleichsweise junges Phänomen. In früheren Jahrhunderten fielen die Festumzüge deutlich kleiner aus, die Verkleidungen der TeilnehmerInnen bestanden meist nur aus Holz- oder Papiermasken. Bis heute stellen die Umzüge den Kern des Festgeschehens dar. Manche Karnevalsvereine orientieren sich auch am rheinischen Karneval: So findet in Radeburg nicht nur Sachsens größter Karnevalsumzug statt, sondern der Karnevalsverein hält auch Prunksitzungen ab und wählt ein Prinzenpaar (2019 regierten ihre Lieblichkeit Bea I. und Sandro I. die Stadt).

Ein Beispiel regionaler Ausprägung von Faschingsbräuchen ist die Schifferfastnacht in Rathen und Umgebung. Unser Fundstück des Monats sind drei Bilder von typischen Ritualen und Figuren dieses Fastnachtsbrauchs, der eigentlich auf ein Stiftungsfest der oberelbischen Schiffervereinigungen im 18. Jahrhundert zurückgeht. Die Verbindung mit dem Fasching ist eine Entwicklung des 19. Jahrhunderts. Nach einer Pause während des Zweiten Weltkriegs wurde der eigentliche Anlass ganz verdrängt. Einige Traditionen haben bis heute überdauert, etwa die Prozession durch den Ort mit selbst gebauten Modell-Booten, die wir auf dem Bild von 1937 sehen – Faschings- und andere Feste waren in der Zeit ideologisch und organisatorisch fest in den nationalsozialistischen Festkalender eingebunden. Die Brezelmänner sehen wir auf der Aufnahme von 1958, bis heute gehört die Figur fest zur Schifferfastnacht. Die Besucherinnen und Besucher des Umzugs versuchen einen Teil der essbaren Kleidung abzureißen, was ihre Begleiter, die Fleckenmänner in ihren bunten Fetzen, (meist erfolglos) zu verhindern suchen. Hieran wird sehr schön deutlich, wie sich lokal ganz eigene Faschingsfiguren entwickeln können, und wie diese selbst wieder zu Traditionen werden.

Die Materialien im Bildarchiv des ISGV
http://bild.isgv.de/

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