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Fundstück aus dem LGA – im April 2019

Vier Bilder zu Ostern aus Deutschland und Ungarn

Ostergrußkarte aus Ungarn, 1959

„Kellemes husvéti ünnepeket!“ – steht auf der Karte aus Ungarn geschrieben: Ein frohes Osterfest! Gleich vier Grußkarten mit ähnlichen Motiven bilden das aktuelle Fundstück des Monats. Trotz des geografischen und zeitlichen Unterschiedes existieren zahlreiche Gemeinsamkeiten bei der Gestaltung und Anordnung der Bildobjekte, die sich weniger oder nur zum Teil aus der regionalen Tradition speisen; vielmehr handelt es sich um ein Reservoir österlicher Symbole, welches länderübergreifend verfügbar ist und sich stetig ausbreitet.

Die hier abgebildeten Ostergrußkarten und ihre Symbolik sind nicht primär (oder nicht mehr) religiösen und traditionellen Ursprungs – sicherlich gehen sie auf christliche Grundlagen zurück (man denke nur an andere beliebte Tiersymbole wie das Lamm), und auch die Form des Andachtsbildes war eine günstige und weit verbreitete Form der Imaginierung religiöser Feste. Aber mit der Entstehung der Massen- und Unterhaltungskultur im Gefolge der Industrialisierung verändern sich mit Symbolen und Motiven auch die Geschmäcker und Sehgewohnheiten, und themenfremde Kontexte werden integriert. Der steigende Unterhaltungswert und ein zunehmend kommerzieller Hintergrund etwa der Genre- sowie Gelegenheitskarten überformt die traditionelle Erscheinung und den Festgedanken des Osterfestes: Die Leidens- und anschließende Erlösungsgeschichte Christi wird von den meist kitschigen Horden von Küken, Hasen und sonstigem pelzigen und gefiedertem Getier schlicht an den Rand gedrängt.

Diese, selbst Ikonen der Alltagskultur geworden, kommen manchmal auf recht seltsamen Wegen daher; einmal als Hasen, die sich bereitwillig zur Erfüllung ihrer österlichen Lieferantenpflichten der von einem Artgenossen erhobenen Gerte unterwerfen, oder aber als pflichtbewusst-mütterliche Vogelfrauen, mit Blumengrüßen und gefüllten Körben – sozusagen symbolische Crossover-Figuren, die auf mehr verweisen, als nur auf Ostern (Bild 2 und 4). Und manchmal treibt der Zeitgeschmack Blüten, die wir als nicht mehr zeitgemäß empfinden, etwa die Kükenparade (Bild 3), die uns erst auf den zweiten Blick als Arrangement auffällt, noch dazu mit leider präparierten Küken, Vogelplastiken, die uns dann doch wieder an das Leiden Christi erinnern?

Die hier ausgewählten Ostersymbole sind also weder typisch ungarisch, noch etwas spezifisch sozialistisches, ostdeutsches oder eine Mode der Vorkriegszeit, sondern Dauerbrenner mit einem Hang zur Tradition. Im Nachlassbestand des ISGV finden sich interessante Beispiele für Ostergruß- und andere Ansichtskarten aus verschiedenen Epochen und Ländern.

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