Fundstück aus dem ISGV – im November 2021

Festliche Backwaren der Vorweihnachtszeit

von Robert Badura

Der 11. November ist für viele nicht nur ein Anlass, um die Fünfte Jahreszeit einzuläuten. Zugleich ist dieser Tag dem heiligen Martin von Tours geweiht und mit dem Datum verbunden sind nicht nur die traditionellen Martinsgänse und Lampionumzüge; auch festliches Gebäck wird gern zubereitet und verzehrt

Die bekanntesten und meistverbreiteten Backwaren sind sicherlich Hörnchen oder Martinsbrezeln, aber der Formenreichtum ist weitaus größer und hinter dem Datum steckt mehr als das alljährliche Schmausen. Mit einer kleinen Bilderauswahl traditioneller Backformen aus unserem digitalen Bildarchiv möchten wir dies im Folgenden ein wenig illustrieren. Den Hintergrund für die festlichen Backtage bildeten früher die Kirchenfeste und die Gliederung des Jahres durch den Heiligenkalender. Der Martinstag war in der bäuerlichen Bevölkerung lange Zeit nicht nur der Tag der Pacht- und Zinseintreibung (und damit ein Anlass, um überzähliges Vieh zu schlachten); damit verbunden war auch das letzte Festmahl vor der darauffolgenden 40-tägigen Fastenzeit bis zum 6. Januar und so galt es, sich den Bauch noch einmal vollzuschlagen, nicht nur mit Gänsebraten, auch mit den bekannten Backwaren. Neben Hörnchen und Brezeln existieren noch andere Gebildebrote, etwa die Springerle oder Weckmänner, oft auch Lebkuchenmänner, die mit dem Martinstag verbunden sind. Lebkuchen wiederum sind ein typisches Fastengebäck, ebenso der Spekulatius; es existieren zahlreiche Motive und die Model mit den detailreicheren Reliefs wurden meist für eben dieses Gebäck verwendet, so etwa ein Pfefferkuchenmodel mit Vogelmotiv (Abb. 1), der oft in Obstholz geschnitten wurden (Abb.2). Mit dem Fest für St. Martin wurde früher auch die Vorweihnachtszeit begonnen – bekannt sind hier Stollen, Striezel und auch gebackene Jesuskinder, die Fatschenkinder (Abb. 3). Damit wären wir bei den gröberen Formen angekommen, die meist in Ton oder Keramik gegraben wurden und nicht nur ein Relief einprägen sollten, sondern gleich auch noch als Backform in den Ofen geschoben und mitgebacken wurden (da der Teig beim Stollen und Kuchen nicht so trocken ist wie beim Pfefferkuchen). Diese waren meist handwerklich einfacher gestaltet, aber ihre Motive sind nicht weniger interessant. Die Blume etwa (Abb. 4) scheint nicht zur kalten Jahreszeit zu passen, aber Achtung: die herzförmige Blüte steht nicht nur für den Frühling. Sie symbolisiert auch das Herz Jesu oder die Liebe Marias zu ihrem Kind und erinnert uns an den Brauch, einige Wochen vor dem Christfest Zweige von Birke oder Kirsche ins Wasser zustellen, die dann an Weihnachten aufblühen sollen – eine Erinnerung an den Paradiesbaum und das ewige Leben.

Übrigens gab es neben Modeln aus Holz und Keramik solche aus Zinn und Kupfer; und auch Marzipan sowie Quark und Topfen wurde mit ihnen geformt.

Mit diesen Eindrücken haben Sie vielleicht ein paar Inspirationen erhalten für das anstehende große Backen der Plätzchen, Kekse und Pfefferkuchen, und vielleicht darf es dieses Jahr auch einmal ein Gebildebrot sein.

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