Fundstück aus dem ISGV – im November 2020

Das DEFA-Studio für Trickfilme

von Claudia Dietze

Glückwunschkarte, undatiert; aus dem Bildarchiv des ISGV
Glückwunschkarte, undatiert; aus dem Bildarchiv des ISGV

Es wird Herbst, die Blätter fallen, es wird dunkler. Eine gute Zeit also, um wieder einmal in der Filmkiste zu wühlen. Betrachtet man das Fundstück des Monats, eine Geburtstagsglückwunschkarte, kommt dem einen oder anderen neben der Vorfreude auf den alljährlichen Pfannkuchenkauf beim Bäcker am 11. November, vielleicht der Zeichentrickfilm „Alarm im Kasperletheater“ in den Sinn. Denn solch eine Schale mit Pfannkuchen will der Kasper seiner Oma zum Geburtstag schenken, bis das Teufelchen sie stiehlt, alle selbst verputzt und Bauchschmerzen davon bekommt.

Der im Dezember 1960 zum ersten Mal gezeigte, 16-minütige Animationsfilm, der auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Nils Werner basiert, wurde vom DEFA-Studio für Trickfilme produziert. Das Spezialstudio für Puppentrick-, Handpuppen-, Zeichentrick- und Silhouettenfilme wurde 1955 in Dresden gegründet und ging aus dem DEFA-Studio für populärwissenschaftliche Filme in Babelsberg hervor. Damit war es das vierte DEFA-Studio neben den anderen drei großen Studios für Spielfilme, für populärwissenschaftliche Filme und für Wochenschau und Dokumentarfilme. Bis 1990 bestand es als VEB mit Sitz in Dresden-Gorbitz auf der Kesselsdorfer Straße 208, im ehemaligen Gasthof „Zum Reichsschmied“.

Am Dresdner Standort gab es im Jahr 1957 156 Beschäftigte, darunter Spezialisten wie Lothar Barke, Klaus Georgi, Herbert K. Schulz, Kurt Weiler, Bruno J. Böttge und Erich Hammer, die bereits vorher in Babelsberg tätig waren. Zudem verfügte das Dresdner Studio über eine vollständige Filmproduktionslinie, in der die unterschiedlichsten Arten von Animationsfilmen (Zeichentrick, Silhouettentrick, Flachtrick, u.a.) entstehen konnten. Zeitweise machte die Auftragsarbeit kulturpolitisch wichtiger Filme einen Großteil der Filmproduktionen aus, aber auch andere Filme, darunter hauptsächlich Kinderfilme, wurden produziert. Insgesamt 950 Kino- und Auftragsfilme entstanden im „künstlerischen, technischen und organisatorischen Zentrum für die Entwicklung und Produktion von Animationsfilmen in der DDR“.

Neben dem Dresdner Studio entstanden weitere Trickfilm-Einheiten in Berlin oder bei freiberuflichen Produzent*innen. 1990 endete die Arbeit im größten Trickfilmstudio Deutschlands durch den Verkauf an den MDR, die Entlassung aller Mitarbeiter*innen und die Umwandlung in die DREFA Filmatelier GmbH folgten. Seitdem erfolgt die Sammlung, Archivierung und Vermittlung des Nachlasses des Studios durch das Deutsche Institut für Animationsfilm (DIAF).

Es lohnt sich also Filme wie „Bei der Feuerwehr wird der Kaffee kalt“, „Die betrunkene Sonne“, „Der Roboter“, „Alarm im Kasperletheater“ u.v.m. jetzt wieder einmal anzuschauen und so ein Stück DDR-Filmgeschichte lebendig werden zu lassen. Wenn man das Ganze mit einem Kinobesuch verbinden möchte, so kann man dies – sobald es wieder möglich ist – im Museumskino der Technischen Sammlungen Dresden tun.

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