Biografie des Monats Oktober 2026
Hoch gestiegen, tief gefallen - Der enthauptete Kanzler Nicolaus Krell (1552/53–1601) und die versuchte Annäherung Kursachsens an den Calvinismus
von Patrick Schötz
Nach der 25 Jahre währenden Regentschaft des streng lutherischen Kurfürsten August (1553–1586) stand in Dresden ein deutlicher Kurswechsel der Konfessionspolitik bevor. War dieser über mehrere Jahre hinweg vorbereitet worden, hing er doch weniger an dem neuen Kurfürsten Christian I. (1586–1591) selbst als an seinem Kanzler. Der aus der bürgerlichen Oberschicht stammende Nicolaus Krell, Sohn eines Leipziger Ratsherrn, war bereits seit 1580 vom alten Kurfürsten mit Regierungsaufgaben betraut worden und ab 1584 Teil der „kleinen Regierung“ des Kurprinzen. Seitdem übte Krell, der wenige Jahre zuvor auf einer Studienreise in die Schweiz und durch Frankreich die reformierte Lehre kennenlernte, einen entschiedenen calvinistischen Einfluss auf Christian aus.
Mit Regierungsantritt zum Mitglied des Geheimen Rats ernannt, baute Krell seinen Einfluss und seine Stellung am Hof beständig aus und war ab 1590 faktisch Alleinberater des politisch wenig tatkräftigen Kurfürsten. In dieser privilegierten Stellung sollte er aber nur etwa ein Jahr verbleiben. Durch Beseitigung des Einflusses des Geheimen Rats und der lutherischen Fraktion am Hof, hatte er sich mächtige Feinde gemacht – allen voran die Kurfürstin Sophie und das Gros der hohen Geistlichkeit.
Der frühe Tod Christians I. am 25. September 1591, nach nur fünfjähriger Regentschaft, beendete Krells Einfluss schlagartig und führte nur zwei Wochen später zu seiner Verhaftung. Nicht einmal das Testament seines Dienstherrn konnte ihn vor der Vergeltung bewahren. Der angestrengte Prozess gegen ihn sollte zehn Jahre dauern und erst die Konsultation der Juristenfakultät in Prag das gewünschte Ergebnis bringen. Der Urteils-Vorschlag wurde gänzlich übernommen und Krell, einen Monat nach dessen Eingang, am 9. Oktober 1601 auf dem Neumarkt öffentlich enthauptet.
Damit jährt sich die Hinrichtung Nicolaus Krells im Oktober 2026 zum 425. Mal, woran die Sächsische Biografie erinnert.