Biografie des Monats Mai 2026
Giovanni Torniamenti (1803–1890), das Café Reale und ein Elbblick mit Genuss
von Joachim Schneider
Die Anfänge des aus der Lombardei stammenden Konditors Giovanni Torniamenti in Dresden waren nicht einfach. Zwar fand er schon gleich nach seiner Ankunft 1830 bei dem renommierten Konditor August Baldini in dessen Café l’Europe am Dresdner Altmarkt eine Anstellung. Doch als er ein eigenes Ladenlokal in der Frauengasse eröffnen wollte, sprach ihm die Konditoreninnung die Geschäftsfähigkeit ab. Und als er in seinem schließlich 1840 eröffneten Café de la ville Milan im Jüdenhof neben Konditorwaren und Eis auch warme Speisen anbot, erhob die Konkurrenz erneut Protest. Doch der gewiefte Geschäftsmann überwand alle Hindernisse und pachtete schon 1841 vom sächsischen Königshaus das Café Reale auf der Brühlschen Terrasse. Mit seinen herzhaften Pasteten, für die er in Dresden berühmt wurde, umging Torniamenti dort erneut in kreativer Weise die behördlichen Beschränkungen, die eigentlich auf die Trennung des Angebots in Restaurants bzw. Cafés abzielten. Schon 1842 wurde durch den Hofbaumeister Otto von Wolframsdorf ein prächtiger Neubau für das Café errichtet. Mit seinem Säulenportikus erinnerte das Café Reale an einen antiken Tempel. Von der Terrasse aus konnten die im Sommer draußen sitzenden Gäste den Blick auf die Elbe genießen. So prägte das Café Reale jahrzehntelang die gehobene Dresdner Kaffeehauskultur, bis das Gebäude 1886 für den Neubau der Kunstakademie abgetragen wurde.
Ein neuer Artikel der Sächsischen Biografie von Mario Kliewer erinnert an den gebürtigen Italiener, der die Dresdner Gastronomie und Konditorkunst im 19. Jahrhundert bereichert hat.