Biografie des Monats Juni 2026
Lea Grundig (1906-1977): Künstlerin – Kommunistin – Holocaust-Überlebende – DDR-Kulturfunktionärin
von Joachim Schneider
Als Jugendliche war sie Mitglied im jüdischen Wandervogel Blau-Weiß, wenige Jahre später schloss sie sich kommunistischen Gruppen an und betätigte sich als Frauenrechtlerin und politische Aktivistin. Ausgebildet an der Dresdner Kunstakademie stellte Grundig ihre Radierungen, Linol- und Holzdrucke später in den Dienst der politischen Sache. Als Kommunistin und Jüdin wurde sie im Nationalsozialismus verfolgt und inhaftiert – und entkam schließlich doch nach Palästina, wo sie die Jahre der Gründung des Staates Israel mit großer Hoffnung, die ersten Kriege zwischen Juden und Arabern aber auch bereits mit großer Sorge miterlebte. Als Künstlerin war sie die erste, die schon 1943 mit ihren Grafiken unter dem Titel „In the Valley of Slaughter“ („Im Tal des Todes“) eine Bildsprache für den Holocaust fand. Sie stand auf der Seite der jüdischen Menschen in Israel und verurteilte 1967 doch zugleich die Politik des israelischen Staates. Bereits 1949 nach Dresden und zu ihrem Mann und Künstlerkollegen Hans Grundig zurückgekehrt, wurde ihre Kunst in der DDR zunächst als formalistisch diskreditiert, bevor Grundig schließlich doch noch zu einer mit Preisen hochdekorierten Kulturfunktionärin wurde. Bis heute ist Lea Grundig heftig umstritten und zugleich unvergessen.
Näher nachzulesen sind die Einzelheiten dieses von der Geschichte des 20. Jahrhunderts geprägten, außergewöhnlichen Frauen-Lebens in einem ausführlichen neuen Text der Sächsischen Biografie von Jeannette van Laak.