Biografie des Monats Februar 2026

Margarethe Sibylle von Löser (1642–1690) – die „Meißnische Minerva“

Widmung für Margarethe Sibylle von Löser (1642-1690)
Widmung für Margarethe Sibylle von Löser (1642-1690)

von Joachim Schneider und Henrik Schwanitz

Margarethe Sibylle von Lösers Biografie ist typisch für adlige Frauen in der Frühen Neuzeit – geprägt vom Aufwachsen in der einflussreichen Familie von Einsiedel, dem Heiraten in Adelskreisen und dem häuslichen Alltag als Ehefrau des Obersteuereinnehmers Kurt von Löser und Mutter von drei eigenen und sechs Stiefkindern.

Andererseits aber ist ihre Lebensgeschichte außergewöhnlich, galt doch Löser in Mitteldeutschland zu ihrer Zeit als eine der gebildetsten Frauen weit und breit. Dabei hat sie selbst nur wenige eigene Texte hinterlassen. Doch berichten bereits Zeitgenossen, dass sie nicht nur verschiedene Sprachen beherrschte, Gedichte und theologische Abhandlungen verfasste, sondern auch in der Jurisprudenz, Mathematik, Astronomie und Medizin bewandert war. Aufgrund ihrer Kenntnis und ihrer Kontakte zu den Gelehrten ihrer Zeit wurde sie in zahlreichen wissenschaftlichen Werken erwähnt und gepriesen. Einen Höhepunkt erfuhr diese Ehrung in einer akademischen Streitschrift aus dem Jahr 1671. Die beiden Gelehrten Johann Sauerbrei und Jacob Schmaltz verfolgten hier das Ziel, die angebliche geistige Unterlegenheit der Frau zu widerlegen. Sie widmeten ihre Schrift der „eruditissima“ (äußerst gelehrten) Herrin Margarethe Sybilla und bezeichneten sie im Text in Anlehnung an die römische Göttin der Weisheit als „Misnia Minerva“ – als Meißnische Minerva.

Löser, die zweimal ihren Ehemann durch Tod verlor, zog 1676 als Witwe gemeinsam mit ihrem jüngsten Sohn Magnus auf das Rittergut Klöden südöstlich von Wittenberg, wo sie 1690 mit gerade einmal 47 Jahren verstarb.

In einem neuen Artikel von Sinikka Gusset-Bährer würdigt die Sächsische Biografie mit der gelehrten Adligen Margarethe Sibylle von Löser eine außergewöhnliche Frau des 17. Jahrhunderts.

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