Die andere Heimat. Konstruktionen und Bilder von Heimat in Sachsen (1900-1970)

Bearbeiter: Henrik Schwanitz

Die Konjunkturen des Heimatbegriffes im 20. Jahrhundert werden von der Forschung als Reaktionsphänomen auf das Hereinbrechen der modernen Industriegesellschaft seit der Mitte des 19. Jahrhunderts verstanden. Die Heimatkonzepte werden dabei in der Regel als fortschrittskritisch, bürgerlich-konservativ und rückwärtsgewandt charakterisiert.

Es lässt sich jedoch nicht nur ein „Unbehagen an der Moderne“ feststellen. Vielmehr eröffneten die multiplen Transformationserfahrungen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch Möglichkeiten der produktiven Auseinandersetzung mit der Moderne. In den Blick geraten dabei nicht nur Reformbestrebungen in den Bereichen des Naturschutzes, der Architektur (z. B. Heimatstil) oder des Umgangs mit sozialen Fragen, sondern auch Heimatentwürfe innerhalb der Arbeiterbewegung. Darauf aufbauend stellt das Projekt die Meistererzählung der modernisierungskritischen Heimatbewegung infrage und fokussiert auf die Ambivalenz der Heimatvorstellungen im Untersuchungszeitraum. Es wird danach gefragt, inwiefern in den Entwürfen von „Heimat“ progressive Elemente deutlich werden, die neben konservativen, national-völkischen Tendenzen standen. Dabei gilt es zu analysieren, wie verschiedene Akteursgruppen die Moderne rezipierten und auf welche Weise sie „Heimat“ und Moderne verbanden. Darüber hinaus fokussiert das Vorhaben auf die Frage nach der ideellen und personellen Kontinuität progressiver Elemente der Heimatbewegung vor 1933 und der Entwicklung einer „sozialistischen Heimat“ auf dem Gebiet der SBZ/DDR nach 1945.