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Edition und Kommentar. Aufbau und Vermittlung von kontextualisierenden Inhalten

Editionen sind unentbehrliche Bausteine einer auf Wissenschaftlichkeit bedachten Geschichtsforschung. Wegen ihres hohen Aufwandes müssen grundsätzliche Entscheidungen bereits vor Beginn der Arbeit getroffen werden. So ist etwa festzulegen, ob die Quellen als Faksimile-Ausgabe, als Transkription, in Regestenform oder als historisch-kritische Edition zugänglich gemacht werden sollen. Neben textkritischen und überlieferungsgeschichtlichen Problemen stellt sich vor allem die Frage, ob und wie tiefgehend der Editionstext inhaltlich zu kommentieren ist. Die Bandbreite reicht dabei von völlig unkommentierten Textwiedergaben bis hin zu umfänglichen Kommentaren, die sich auf Vorbemerkung, zusammenfassende Einleitung, Kopfregest, Stellenerläuterung und textkritischen Apparat verteilen können. Durch Open Access und das World Wide Web sind entsprechende Quellenpublikationen darüber hinaus einem größeren Publikum und neuen Nutzergruppen zugänglich; infolgedessen müssen Aufbau und Zuschnitt ihrer erläuternden Kommentare den modernen Ansprüchen angepasst werden.

Die Tagung verfolgt zwei Ziele: Zum einen wird sie die Konzeption, den Aufbau und die Kommentierung von heutigen Quellenausgaben methodisch reflektieren und dabei insbesondere das Verhältnis von Editionstext und Kommentar sowie die arbeitsökonomischen und finanziellen Aspekte von entsprechenden Vorhaben diskutieren. In diesem Themenfeld wird unter anderem gefragt werden:

  • Wann sind (auch unter dem Gesichtspunkt der Kosten und des Aufwands) der Abdruck bloßer Transkriptionen, wann regestenartige Aufarbeitungen, wann Auswahleditionen, wann Volltexteditionen geboten?
  • Welche entstehungs-, quellen- oder wirkungsgeschichtlichen Informationen sollte die Editorin bzw. der Editor sinnvollerweise vermitteln?
  • Wo endet die notwendige Erklärung einer Quellenstelle und wo beginnt ihre inhaltliche Interpretation?
  • Wie können Zeitaufwand und Ertrag bei der Erstellung einer Quellenausgabe in ein sinnvolles Verhältnis zueinander gebracht werden?

Zum anderen wird die Tagung die unterschiedlichen Nutzergruppen in den Blick nehmen: das wissenschaftliche Publikum ebenso wie die Interessierten, die der Weg über Suchmaschinen mehr oder weniger zufällig zu online veröffentlichten Quellenausgaben führt. Zentrale Fragen in diesem Themenbereich sind unter anderem:

  • Welche Rolle spielen nicht intendierte Nutzergruppen bei der Planung des Projekts und beim Zuschnitt der notwendigen Erläuterungen?
  • Wie müssen die kommentierenden und kontextualisierenden Inhalte didaktisch sinnvoll aufbereitet werden, um sie den Nutzerinnen und Nutzern, auch aus einer breiten Öffentlichkeit, profund zu vermitteln?
  • Welche Erfahrungen wurden mit unterschiedlichen Nutzergruppen gemacht? Lesen zum Beispiel die Besucherinnen und Besucher mit kurzer Verweildauer auf den Internetseiten überhaupt ausführliche Erläuterungen? Oder erwarten sie nicht vielmehr die Beschränkung auf kurze Basisinformationen?
  • Findet ein Austausch mit den Nutzerinnen und Nutzern statt? Wie wirken sich die Rückmeldungen auf die Projektarbeit aus bzw. fließen diese in das Projekt ein?

Die Tagung wendet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die sich mit Urkunden, Briefen und weiterem amtlichen Schriftgut vom 13. bis 17. Jahrhundert beschäftigen. Das Programm ist interdisziplinär ausgerichtet und wird Anregungen aus den historischen Nachbardisziplinen, so zum Beispiel aus der Epigraphik und Rechtsgeschichte, aufnehmen. Damit ist es für alle interessant, die sich – sei es als Bearbeiterin bzw. Bearbeiter einer Quellenausgabe, sei es als Nutzerin oder Nutzer einer Edition – mit den skizzierten Problemen beschäftigt haben oder aktuell auseinandersetzen.

Vorträge zugesagt haben bisher unter anderem: Prof. Dr. Karl Borchardt (München), Prof. Dr. Enno Bünz (Leipzig/Dresden), Prof. Dr. Sven Hanuschek (München), Dr. Mathias Kälble (Dresden), Dr. Beate Kusche (Leipzig), Dr. Arend Mindermann (Stade), Dr. Cornelia Neustadt (Dresden), Dr. Ulrich Rasche (Wien), Prof.in Dr. Dorothee Rippmann (Itingen), Dr. Francesco Roberg (Marburg), Dr. Andrea Rzihacek (Wien), Dr. Alexander Schwerdtfeger-Klaus (Hamburg), Prof. Dr. Wolfgang Sellert (Göttingen), Prof. Dr. Matthias Thumser (Berlin), Prof. Dr. Peter Wiegand (Dresden).

Nähere Einzelheiten zum Programm und zur Anmeldung werden im März 2020 bekanntgegeben werden.

Ansprechpartner:

  Christian Schuffels M.A. (c.schuffels@isgv.de)
  Dr. Jens Klingner (j.klingner@isgv.de)

 

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