Schriftenreihen des ISGV

Foto: Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde Band 25 - ISGV - Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.

Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde

Band 25

Autos bauen im Sozialismus

Arbeit und Organisationskultur in der Zwickauer Automobilindustrie nach 1945

(2008)

Autor: Sönke Friedreich

Verlag: Leipziger Universitätsverlag GmbH

565 Seiten, Hardcover, 78,00 €

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In der Geschichte der DDR nahmen Industriebetriebe nicht nur als wirtschaftliche Einheiten, sondern auch als Institutionen gesellschaftlicher Integrationsprozesse, als Instrumente ideologischer Vereinnahmung sowie als Räume alltäglichen Lebens eine hervorragende Rolle ein. Demzufolge sind sie nach dem politischen Umbruch von 1989/90 zum Gegenstand zahlreicher sozialwissenschaftlicher und wirtschaftshistorischer Untersuchungen avanciert. Dabei standen in der Regel das Versagen der Planwirtschaft, die mangelnde Effizienz wirtschaftlicher Strukturen der DDR sowie die Defizite einer kollektivistischen Arbeitsorganisation im Mittelpunkt. Nur selten wurde ein differenzierter Blick auf die spezifische Verzahnung von Arbeit und Lebenswelt im Bereich der sozialistischen Organisationskultur geworfen.

Die vorliegende volkskundliche Studie erweitert das vorherrschende Bild von der betrieblichen Arbeit im Realsozialismus am Beispiel der Zwickauer Automobilindustrie seit 1945. Aufbauend auf den Erinnerungen ehemaliger Beschäftigter des VEB Sachsenring, Hersteller des legendären „Trabi“, sowie auf einer Fülle von Archivmaterialien werden die innerbetrieblichen Differenzierungen und die Konstituierung von Lebenswelten ebenso rekonstruiert wie das Verhältnis der Betriebsangehörigen zu Macht und Herrschaft, zu Kollegialität und betrieblicher Identität. Ausführlich wird die posttransformatorische Sichtweise von Beteiligten vorgestellt und damit ein subjektzentrierter, aus der unmittelbaren Erfahrung abgeleiteter Zugang zum Thema gewonnen. Hieraus erschließt sich die Spezifik der realsozialistischen Arbeitswelt, ihrer lebensweltlichen Ausprägungen und ihrer kulturellen Bedeutungen ebenso wie der heutige Diskurs über das Erbe der DDR-Arbeitswelt.