Schriftenreihen des ISGV

Foto: Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde Band 23 - ISGV - Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V.

Schriften zur sächsischen Geschichte und Volkskunde

Band 23

Ostsiedlung und Landesausbau in Sachsen

Die Kührener Urkunde von 1154 und ihr historisches Umfeld

(2008)

Herausgeber: Enno Bünz

Verlag: Leipziger Universitätsverlag GmbH

512 Seiten, Hardcover, 62,00 €

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Die Ostsiedlung gehört zu den epochalen Vorgängen der mittelalterlichen Geschichte, die Europa geschaffen haben. In die von Slaven besiedelten Landschaften Holsteins, Mecklenburgs und Pommerns, Brandenburgs und Sachsens wanderten im Laufe des 12. Jahrhunderts deutsche, flämische und niederländische Siedler ein. Im 13. Jahrhundert erfasste dieser Vorgang auch das weiter östlich gelegene Preußenland, Schlesien, Polen, Böhmen, Mähren und Ungarn mit der Slowakei und Siebenbürgen. Im Zuge der Ostsiedlung hat Sachsen sein Gesicht grundlegend verändert. Die meisten Städte, Dörfer und Kirchen, die das Land bis heute prägen, wurden seit dieser Zeit angelegt. Herrschaftsbildung und Siedlungsgründung, Mission und Aufbau der kirchlichen Organisation gingen Hand in Hand. Neben den Markgrafen von Meißen, dem staufischen Königtum und dem Adel beteiligten sich auch geistliche Herrschaftsträger wie die Bischöfe von Meißen an diesem Siedelwerk.

Am 22. November 1154 hat Bischof Gerung von Meißen eine Urkunde ausgestellt, mit der er Einwanderern aus Flandern das Dorf Coryn übergibt und den Siedlern bestimmte Rechte verleiht. Die Kührener Urkunde gehört zu den zentralen Quellenzeugnissen der deutschen Ostsiedlung. Die 850-jährige Wiederkehr dieser Beurkundung bot deshalb Gelegenheit, Ostsiedlung und Landesausbau im hochmittelalterlichen Sachsen zum Gegenstand einer Tagung zu machen. Die Beiträge des vorliegenden Bandes behandeln nicht nur die Gründung Kührens, sondern untersuchen Ostsiedlung und Landesausbau in Sachsen in landesgeschichtlich-vergleichender Perspektive. So weitet sich der Blick von Kühren, dem Leipziger Land und Sachsen auf weiträumige Vorgänge in der deutsch-slavischen Kontaktzone (Germania Slavica) und führt in ein gemeinsames Kapitel deutscher und ostmitteleuropäischer Geschichte des Mittelalters hinein, das bis in die Gegenwart fortwirkt.

Das Buch enthält Beiträge von Gerhard Billig, Karlheinz Blaschke, Enno Bünz, Markus Cottin, Gerhard Graf, Matthias Hardt, Thomas Ludwig, Christian Lübke, Winfried Schich, Uwe Schirmer, Walter Schlesinger, André Thieme, Petra Weigel, Thomas Wittig und Christian Zschieschang.