Sächsische Geschichte

Für Gott und Vaterland

Bearbeiter: Torsten Schwenke

In der Umbruchzeit nach 1800 vollzog sich in vielen zentraleuropäischen Armeen der Wandel vom stehenden Heer der Vormoderne in die sich aus wehrdienstpflichtigen Landeskindern rekrutierende Armee der Moderne. Angestoßen wurde dieser Prozess von Aufklärungsdiskursen über die Integration des Militärs in die Gesellschaft mittels einer allgemeinen patriotischen Pflicht zur Landesverteidigung. Breitere Wirkmächtigkeit erhielt dieses Konzept schließlich durch die Erfolge des französischen Heeres der Revolutionszeit und durch die Umwälzungen der Napoleonischen Epoche. Infolgedessen wurde auch im zum Königreich erhobenen Sachsen sukzessive das bisherige Militärdienstsystem reorganisiert.

Dieser Wandel zwischen 1806 und 1866 steht im Mittelpunkt des Projektes. Dabei wird nicht nur den strukturellen Veränderungen des Militärdienstes nachgegangen. Vielmehr steht der sinnstiftende Bezug auf das Vaterland im Mittelpunkt der Betrachtung. So soll der sächsische Vaterlandsdiskurs rekonstruiert und als eine Grundlage der Gemeinschaftsbildung innerhalb der Armee in den Blick genommen werden. Parallel dazu werden religiöse Sinnstiftungen untersucht, denn auch im 19. Jahrhundert blieb die religiöse Aufladung von Feindbildern zur Fundierung soldatischer Tugenden weiter wirkmächtig. Schließlich gilt es, die Bedeutung der Geschichte bzw. der militärischen Tradition Sachsens für eine Identitätsstiftung in den sächsischen Einheiten, aber auch als Mittel der Stärkung patriotischer Einstellungen in der Bevölkerung herauszuarbeiten. Letztendlich soll dabei ein komplexes Bild des sächsischen Heeres in einem durch territoriale und strukturelle Umbrüche determinierten Zeitraum sächsischer Geschichte entwickelt werden.