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Neubearbeitung des Historischen Ortsverzeichnisses von Sachsen

Projektleiter: Karlheinz Blaschke
Bearbeiterin: Susanne Baudisch

Projektmitarbeiter:
Lieselotte Bormann, Annelie Fitz, Anita Hartmann, Anja Schulz, Thomas Thieme

Als historisch-topographisches Sachlexikon mit mehr als 5500 Ortsartikeln gehört das Historische Ortsverzeichnis von Sachsen zu den unentbehrlichen Nachschlagewerken der sächsischen Landesgeschichte.
Im Jahre 1957 von Karlheinz Blaschke veröffentlicht, erfaßt es alle bestehenden sowie ehemals selbständigen Siedlungen auf dem Gebiet des Königreichs bzw. Freistaates Sachsen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Forschungsgeschichtlich gesehen knüpfte es an die seit der Jahrhundertwende erkennbaren Bestrebungen innerhalb der deutschen Landesgeschichte zur Abfassung „historischer Ortschaftsverzeichnisse“ an, die in Sachsen mit umfangreichen Vorarbeiten von Hans Beschorner, Alfred Meiche, Otto Mörtzsch, Rudolf Kötzschke und Johannes Leipoldt verbunden sind.

Das seit 1999 laufende Projekt sieht eine Neufassung des Lexikons für das Gebiet des heutigen Freistaates Sachsen entsprechend dem aktuellen Forschungsstand vor.

Neben der Neuaufnahme von ungefähr 800 Ortsartikeln umfaßt der inhaltliche Aspekt der Neubearbeitung eine Erweiterung aller bisherigen Ortsartikel; hierzu gehören u.a. Angaben zu Bevölkerungszahlen und Verwaltungsstrukturen bis zum 31. 12. 2000, geographische Daten in Verbindung mit historischen und topographischen Kartenwerken oder die Verzeichnung des jeweiligen Ortes in landesgeschichtlich relevanten Nachschlagewerken. Des weiteren erfolgt eine grundlegende Überarbeitung ausgewählter historischer Daten mit Schwerpunkt im Mittelalter. Einträge zur Ersterwähnung eines Ortes sowie zur Überlieferung historischer Namenformen erfolgen in direkter Abstimmung mit dem DFG-Projekt „Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen“ unter Leitung von Prof. Dr. Ernst Eichler und Prof. Dr. Hans Walther an der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig.

Der methodische Neuansatz des Vorhabens besteht in der interdisziplinären Kooperation von Sprachwissenschaft, Geschichte und Geographie sowie in der elektronischen Umsetzung in Gestalt einer Datenbank. Somit bietet das künftige Ortsverzeichnis in absehbarer Zeit nicht nur die elementare Grundlage für eine moderne Kulturlandschaftsforschung, sondern eröffnet auch neue Perspektiven einer öffentlichen Nutzung: Neben der Verbindung mit zwei weiteren Datenbanken am ISGV („Erschließung von historischen Bildbeständen zur Volkskunde in Sachsen“ und „Repertorium Saxonicum“) wird eine Verknüpfung mit anderen elektronischen Dokumentationssystemen in Sachsen angestrebt; als Schnittstelle kann der in die Datenbank integrierte Amtliche Gemeindeschlüssel zur Anwendung kommen.