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Die Böhmischen Exulanten in Dresden. Zuwanderung und Zuwanderungspolitik im Spannungsfeld von Landesherrschaft und städtischer Selbstverwaltung

Bearbeiter: Frank Metasch
Ein großer Teil der während der habsburgischen Gegenreformation aus Böhmen vertriebenen Protestanten emigrierte in das Nachbarland Sachsen. Schätzungsweise 50000 bis 80000 Exulanten ließen sich zwischen dem Beginn der Auswanderung (1620) und dem Toleranzpatent Kaiser Josefs II. (1781) im Kurfürstentum Sachsen und der Markgrafschaft Oberlausitz nieder. Die sächsische Residenzstadt Dresden entwickelte sich dabei durch ihre besondere Anziehungskraft schon im Dreißigjährigen Krieg zu einem der Haupteinwanderungszentren.

Das Dissertationsprojekt soll erstmals die für Dresden quantitativ wie auch qualitativ bedeutsame Einwanderung der Böhmischen Exulanten näher untersuchen. Der zeitliche Schwerpunkt liegt hierbei auf dem 17. Jahrhundert. Neben Fragen, die sich aus der rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Integration der Einwanderer ergeben, wird auch das Spannungsverhältnis von landesherrlicher und städtischer Einwanderungspolitik näher thematisiert werden. Hierbei soll nicht nur nach entstandenen Konflikten gefragt werden, sondern gerade auch nach Formen der Kooperation und Solidarität, wie sie sich z.B. bei der Aufnahmebereitschaft der Zünfte „aus christlichem Mitleide“ zeigten.

Die Gesamteinwanderung wird differenziert nach den einzelnen Einwanderungswellen untersucht werden, wobei ein besonderes Augenmerk auf der Herausarbeitung der jeweiligen Spezifika (z.B. Quantität und Sozialstruktur der Exulanten) liegt. Weiterhin wird danach gefragt, welchen Schwierigkeiten die Einwanderer bei ihrer Integration in die Dresdner Gesellschaft und Wirtschaft gegenüberstanden, wie hoch ihre eigene Integrationsbereitschaft war und wie sie von der Dresdner Bevölkerung wahrgenommen wurden.